Fundament · Muster erkennen
Ist Prokrastination Faulheit? Was wirklich dahintersteckt, wenn Du nicht anfängst
Von Redaktion··2 Min. Lesezeit
Woran erkennst Du, ob es Faulheit ist oder Aufschieben?
Du erkennst es an dem, was Du statt der Aufgabe tust. Ich trenne die beiden genau an dieser Stelle: Faulheit heißt, wenig zu tun und nichts zu vermissen. Beim Aufschieben tust Du viel, nur nicht das Eine, und es lässt Dich nicht los.
Nimm einen normalen Dienstag. Du beantwortest Mails, rufst zwei Lieferanten zurück, räumst die Ablage auf. Das Angebot für Deinen größten Kunden bleibt offen, und abends denkst Du daran. Wer faul ist, hätte es vergessen.
Faulheit meidet Arbeit. Aufschieben meidet ein Gefühl.
Warum bleibt bei Prokrastination ausgerechnet die wichtige Aufgabe liegen?
Weil sie meist die einzige Aufgabe ist, die von Dir ein Urteil verlangt. Mails beantworten fühlt sich sicher an. Beim Angebot legst Du einen Preis fest, und dieser Preis kann abgelehnt werden.
Die Mechanik lässt sich in drei Begriffen beschreiben. Der Auslöser ist das Unbehagen, das die Aufgabe in Dir weckt. Das Ausweichen ist das, womit Du in diesem Moment antwortest. Die Erleichterung ist der Spannungsabfall danach. Sie belohnt Dein Ausweichen, und deshalb wiederholst Du es beim nächsten Mal.
Das Gefühl ist bei jedem anders: Unsicherheit, Langeweile, die Angst vor einer schwierigen Nachricht. Mehr dazu findest Du unter Aufschieben, weil es unangenehm ist. Für Dich zählt hier nur eines: Dein Antrieb ist intakt. Er wird an einer Stelle umgeleitet.
Wie findest Du in einer Woche heraus, was hinter Deinem Aufschieben steckt?
Du notierst sieben Tage lang zwei Dinge: was Du statt der Aufgabe tust und welches Gefühl kurz davor auftaucht. Mehr braucht es nicht. Nach einer Woche liest Du ein Muster statt eines Rätsels.
Eine Zeile sieht so aus: „Dienstag, 9:40 Uhr. Angebot geöffnet, stattdessen Mail an Lieferanten geschrieben. Davor: Unsicherheit beim Preis.“ Eine Zeile kostet Dich zehn Sekunden. Nach sieben Tagen steht schwarz auf weiß da, ob es bei Dir Unsicherheit, Langeweile oder die Sorge vor der Antwort ist.
Du denkst jetzt: Ich weiß doch, was zu tun ist. Genau darum geht es. Dein Wissen sitzt im Kopf, das Ausweichen passiert im Moment. Die Notiz macht diesen Moment für Dich sichtbar.
Danach kommt der erste Handgriff: fünf Minuten für genau diese Aufgabe. Nicht die ganze Aufgabe, nur der Einstieg. Du öffnest das Angebot und schreibst die Preiszeile hinein, auch wenn sie noch nicht endgültig ist. Nach fünf Minuten darfst Du aufhören. Die Aufgabe hat dann Einzelteile statt einer Gesamtmasse, und mit Einzelteilen arbeitest Du anders.
Faulheit müsstest Du Dir abgewöhnen. Aufschieben musst Du nur durchschauen und an einer Stelle anders beantworten. Den nächsten Schritt gehst Du in vier Tagen: Die Challenge führt Dich vom Erkennen zum Handeln, ohne Verkauf während dieser vier Tage.
Häufige Fragen
Nein. Faulheit ist fehlender Antrieb ohne Sorge um das Ergebnis. Beschäftigt Dich die liegende Aufgabe, ist Dein Antrieb da und wird von einem Gefühl umgeleitet.