Handlung · Handeln wie die Person, die Du wirst
Warum ein einziger automatisierter Vorgang mehr bewegt als ein großes Digitalisierungsprojekt
Von Redaktion··10 Min. Lesezeit
Ein einziger automatisierter Vorgang bewegt in deinem Betrieb mehr als ein großes Digitalisierungsprojekt, weil er läuft, während das Projekt noch geplant wird. Ein Plan kündigt Veränderung an. Ein laufender Vorgang belegt sie: Er spart dir ab dem ersten Tag Zeit und liefert dir echte Rückmeldung. Auf diesem Beleg baust du den nächsten Schritt.
Warum wiegt ein laufender Vorgang mehr als der vollständige Plan?
Weil der Plan dir sagt, was passieren soll, und der laufende Vorgang dir zeigt, was passiert. Das eine ist eine Annahme über deinen Betrieb. Das andere ist eine Antwort aus deinem Betrieb.
Ein Vorgang heißt hier: eine Aufgabe, die bei dir immer wieder gleich abläuft und ab der Einrichtung von allein passiert. Zum Beispiel eine Anfrage per E-Mail, die automatisch einen Termin einträgt, eine Bestätigung verschickt und beide Seiten erinnert.
Solange du planst, arbeitest du mit Vermutungen. Du vermutest, wie deine Kunden anfragen. Du vermutest, wo Ausnahmen auftreten. Du vermutest, was dein Team braucht.
Diese Vermutungen sind nicht schlecht. Du kennst deinen Betrieb besser als jeder andere, und vieles davon wird stimmen. Nur weißt du vorher nicht, welcher Teil stimmt und welcher nicht.
Sobald ein Vorgang läuft, tauschst du diese Vermutungen gegen Beobachtungen. Du siehst, welche Anfrage nicht ins Schema passt. Du siehst, welcher Schritt überflüssig war. Das erfährst du aus keinem Konzeptpapier.
Nimm das Beispiel mit der Terminanfrage. Im Plan steht: Kunde schreibt, Termin wird eingetragen, Bestätigung geht raus. Im Betrieb zeigt sich vielleicht, dass ein Teil deiner Kunden zwei Wunschtermine nennt. Oder dass die Bestätigung eine Angabe braucht, an die bei der Planung niemand gedacht hat.
Solche Dinge findest du nicht durch längeres Nachdenken. Du findest sie, weil ein echter Kunde eine echte Anfrage schickt. Der Plan beantwortet die Fragen, die du dir gestellt hast. Der laufende Vorgang stellt dir die Fragen, auf die du am Schreibtisch nicht gekommen wärst.
Planung erhöht deine Möglichkeit zu handeln. Der laufende Vorgang erzeugt ein Ergebnis, das dir antworten kann.
Das hat eine Folge für alles, was du danach planst. Dein zweiter Vorgang wird besser geschnitten als dein erster, weil du ihn mit Beobachtungen planst. Ein Plan, der zwölf Vorgänge auf einmal beschreibt, hat diesen Vorteil bei keinem einzigen.
Ein großes Projekt kostet dich Zeit, bevor es dir etwas zurückgibt
Die Rechnung ist einfach, und du kannst sie mit deinen eigenen Zahlen aufstellen. Nimm die Minuten, die eine wiederkehrende Aufgabe pro Durchlauf bindet. Multipliziere sie mit der Zahl der Durchläufe pro Woche. Multipliziere das Ergebnis mit den Wochen, die dein Projekt noch in der Planung liegt.
Das ist der Betrag, den du zahlst, während der Plan wächst.
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten, damit du den Weg siehst. Das sind keine Messwerte, setz deine eigenen ein. Angenommen, eine Aufgabe bindet 12 Minuten pro Durchlauf und fällt 25-mal pro Woche an. Das sind 300 Minuten, also 5 Stunden pro Woche. Liegt dein Projekt 16 Wochen in der Planung, sind es 80 Stunden für diese eine Aufgabe.
Diese 80 Stunden tauchen in keiner Projektkalkulation auf. Dort stehen die Kosten der Einrichtung. Die Kosten des Wartens stehen nirgends, obwohl du sie jede Woche bezahlst.
Beim großen Projekt läuft diese Uhr für alle Vorgänge gleichzeitig, bis alles fertig ist. Beim einzelnen Vorgang hält sie für genau diesen einen an, sobald er läuft. Die anderen laufen weiter wie bisher, du verlierst also nichts und gewinnst einen.
Dazu kommt ein zweiter Posten, der sich schwerer beziffern lässt: Dein Plan altert. Während du planst, verändert sich dein Betrieb. Du stellst jemanden ein, wechselst eine Software, nimmst ein Angebot ins Programm.
Der Plan beschreibt deinen Betrieb zum Zeitpunkt der Planung. Je länger die Planung dauert, desto größer wird der Abstand zwischen dem, was auf dem Papier steht, und dem, was bei dir tatsächlich passiert. Ein Vorgang, der kurz nach der Entscheidung läuft, hat diesen Abstand nicht.
Du denkst jetzt: Ein einzelner Vorgang ändert an meinem Betrieb kaum etwas. In Stunden gerechnet stimmt das am Anfang. In Erkenntnis gerechnet stimmt es nicht, denn du weißt danach, wie Automatisierung sich in deinem Betrieb verhält, mit deinen Daten und deinen Kunden.
Dieses Wissen ist die Grundlage für jede weitere Entscheidung. Du kannst danach einschätzen, wie lange eine Einrichtung bei dir dauert und wo bei dir die Ausnahmen sitzen. Wer früh einen Vorgang laufen hat, plant den Rest mit Erfahrung statt mit Schätzung.
Was passiert, wenn du zu viel auf einmal automatisieren willst?
Dann hängt jeder Vorgang an jedem anderen, und nichts geht in Betrieb, bevor alles fertig ist. Du trägst den vollen Aufwand und bekommst die Rückmeldung erst am Schluss.
Die Mechanik dahinter ist die Abhängigkeit. Im großen Projekt teilen sich die Vorgänge Daten, Zugänge und Zuständigkeiten. Verzögert sich einer, wartet der nächste mit. Du hast dann zwölf Vorgänge, die zu einem großen Teil fertig sind, und keinen, der dir Arbeit abnimmt.
Dazu kommt ein zweites Problem: die Zuordnung. Läuft ein Vorgang und es tritt ein Fehler auf, kennst du die Ursache schnell. Gehen zwölf gleichzeitig in Betrieb, suchst du.
Bei einem einzelnen Vorgang gibt es genau eine Stelle, die sich geändert hat. Landet eine Bestätigung nicht beim Kunden, weißt du, wo du nachsiehst. Bei vielen gleichzeitigen Änderungen kann derselbe Fehler aus mehreren Richtungen kommen, und du prüfst jede einzeln.
Das dritte betrifft dein Team. Ein neuer Ablauf lässt sich im Alltag aufnehmen. Viele neue Abläufe auf einmal verändern den ganzen Arbeitstag deiner Leute, und die Bereitschaft dafür ist begrenzt.
Deine Mitarbeiter erledigen ihr Tagesgeschäft weiter, während sich die Abläufe ändern. Einen neuen Ablauf lernen sie nebenbei. Bei vielen gleichzeitig greifen sie in der Hektik zum alten Weg zurück, weil er vertraut ist. Dann laufen bei dir zwei Systeme nebeneinander, und du hast mehr Arbeit als vorher.
Der große Plan ist deshalb nicht falsch. Er ist die Landkarte, und du brauchst sie. Sie zeigt dir, wohin du willst und welche Vorgänge zusammengehören.
Nur gehst du die Strecke trotzdem Schritt für Schritt. Die Karte legt die Richtung fest, der einzelne Schritt zeigt dir, wie der Boden beschaffen ist. Beides gehört zusammen, aber nur eines davon bringt dich von der Stelle, an der du heute bist, zur nächsten.
Welchen Vorgang automatisierst du zuerst, bevor du größer denkst?
Den eindeutigsten, nicht den wichtigsten. Er wiederholt sich, ist klar abgrenzbar und hat einen Auslöser und ein Ergebnis.
Wiederkehrend heißt: Die Aufgabe fällt bei dir regelmäßig an, nicht einmal im Quartal. Klar abgrenzbar heißt: Du kannst sagen, wo sie anfängt und wo sie aufhört. Ein Auslöser und ein Ergebnis heißt: Etwas Bestimmtes stößt sie an, und am Ende liegt etwas Bestimmtes vor.
Die drei Kriterien habe ich in einem eigenen Artikel ausgeführt: Der erste Prozess, den ein Betrieb automatisieren sollte. Hier geht es um den Schritt danach: dass du ihn tatsächlich in Betrieb nimmst.
Warum nicht der wichtigste Ablauf zuerst? Weil der wichtigste Ablauf in deinem Betrieb in der Regel auch der verzweigteste ist. An ihm hängen mehrere Personen, viele Ausnahmen und Entscheidungen, die Erfahrung verlangen. Ein Fehler dort trifft dich sofort beim Kunden.
Der eindeutige Vorgang erlaubt dir, mit kleinem Risiko zu lernen. Läuft er, hast du Zeit gewonnen. Zeigt er eine Schwäche, kostet sie dich wenig, und du kennst sie, bevor du an den großen Ablauf gehst.
Es gibt eine einfache Probe, ob ein Vorgang eindeutig genug ist. Beschreibe ihn in einem Satz nach dem Muster „Wenn das passiert, dann geschieht das". Brauchst du dafür drei „außer" und zwei „je nachdem", ist er noch zu breit. Dann nimm den Teil davon, der ohne Einschränkung auskommt.
Die Auswahl ist eine Entscheidung. Die Inbetriebnahme ist eine Handlung. Erst die Handlung verändert deinen Betrieb.
Zwischen beiden liegt oft mehr Zeit, als nötig wäre. Die Auswahl fühlt sich bereits wie ein Ergebnis an, weil du etwas festgelegt hast. In deinem Betrieb hat sich bis dahin aber nichts verändert. Das ändert sich an dem Tag, an dem der Vorgang zum ersten Mal ohne dich durchläuft.
Wie lange sollte es dauern, bis dein erster Vorgang produktiv läuft?
So kurz, dass du ihn laufen siehst, bevor dein Plan sich überholt hat. Eine Wochenzahl nenne ich dir nicht, weil sie von deinem Ablauf abhängt und ich keine erfinde.
Was ich dir nennen kann, ist der Maßstab für „läuft". In unserer Abnahme-Garantie steht er wörtlich: Auslöser feuert von selbst, Ergebnis landet im richtigen System, Fehler melden sich, zwei Wochen stabil.
Geh die vier Punkte einzeln durch. Der Auslöser feuert von selbst: Niemand bei dir drückt einen Knopf, damit der Vorgang startet. Muss jemand ihn anstoßen, hast du die Aufgabe verkürzt, aber nicht abgegeben.
Das Ergebnis landet im richtigen System: Der Termin steht in dem Kalender, mit dem du arbeitest, nicht in einer Liste daneben. Musst du das Ergebnis von Hand übertragen, ist die Arbeit nur an eine andere Stelle gewandert.
Fehler melden sich: Wenn etwas nicht durchläuft, erfährst du es vom Vorgang selbst und nicht vom Kunden. Das ist der Punkt, der am leichtesten vergessen wird, weil bei der Vorführung alles funktioniert.
Zwei Wochen stabil: Der Vorgang hält deinem Alltag stand, mit echten Anfragen, zu unterschiedlichen Zeiten, auch mit denen, die aus dem Rahmen fallen. Ein einzelner gelungener Durchlauf sagt dir darüber nichts.
Diese vier Punkte kannst du an jeden Vorgang anlegen, egal wer ihn einrichtet. Fehlt einer, hast du eine Vorführung, keinen Betrieb.
Wenn dein erster Vorgang deutlich länger braucht als gedacht, ist er meist zu groß geschnitten. Dann teile ihn, bis ein Auslöser und ein Ergebnis übrig bleiben.
Im Beispiel der Terminanfrage kann das heißen: Zuerst läuft nur der Eintrag in den Kalender mit Bestätigung. Die Erinnerung an beide Seiten kommt als zweiter Schritt, sobald der erste stabil ist. Du hast dann früher einen laufenden Vorgang und baust den nächsten auf einem geprüften Fundament.
Wie überzeugst du dein Team, wenn der erste Schritt noch klein ist?
Nicht mit Argumenten, sondern mit dem laufenden Vorgang. Zeig deinem Team die Aufgabe, die seit dieser Woche von allein passiert.
Eine Ankündigung verlangt von deinen Leuten Vertrauen. Ein laufender Vorgang verlangt nur, dass sie hinsehen. Deshalb ist der kleine Schritt hier kein Nachteil, denn er ist überschaubar genug, dass jeder ihn prüfen kann.
Bei einem großen Projekt hört dein Team zuerst, was sich alles ändern wird. Die Entlastung liegt in der Zukunft, die Umstellung beginnt sofort. Beim einzelnen Vorgang ist die Reihenfolge umgekehrt: Die Entlastung ist da, bevor du viel erklären musst.
Wähle dafür eine Aufgabe, die jemand in deinem Team bisher von Hand erledigt hat und ungern macht. Dann erlebt dein Team Automatisierung als Entlastung. Genau das ist ihr Zweck: Engpässe lösen, ohne das Team zu ersetzen.
Hol die Person dazu, die diese Aufgabe bisher erledigt hat. Sie kennt die Ausnahmen, die in keiner Beschreibung stehen. Lass sie in den ersten zwei Wochen die Ergebnisse prüfen. So wird aus der Person, der etwas abgenommen wird, die Person, die den Vorgang abnimmt.
Sag außerdem dazu, wofür die gewonnene Zeit gedacht ist. Bleibt das offen, füllt dein Team die Lücke mit eigenen Vermutungen. Nennst du die Aufgabe, für die jetzt Raum entsteht, ist die Frage beantwortet, bevor sie gestellt wird.
Der erste laufende Vorgang ist dann mehr als eine Zeitersparnis. Er ist das Beispiel, auf das du beim zweiten verweisen kannst. Dein Team muss dir nicht mehr glauben, dass es funktioniert, es hat es gesehen.
Der erste laufende Vorgang verändert auch, wie du entscheidest
Bis hierhin ging es um deinen Betrieb. Dieselbe Mechanik gilt für dich selbst.
Solange das Projekt ein Plan ist, bist du der Unternehmer, der digitalisieren will. Sobald ein Vorgang läuft, bist du der Unternehmer, der es getan hat. Die zweite Position entscheidet anders: schneller, konkreter, mit weniger Absicherung.
Der Grund liegt in deinem Selbstbild. Dein Selbstbild ist die Summe dessen, was du über dich für wahr hältst. Es aktualisiert sich nicht über Absichten, sondern über das, was du tatsächlich tust.
Ein großes Vorhaben ist in diesem Sinn eine Ankündigung. Ein laufender Vorgang ist ein Beleg. Dein Selbstbild zählt keine Ankündigungen, es zählt Belege.
Das erklärt, warum der zweite Vorgang dir leichter fällt als der erste. Die Technik ist dieselbe geblieben. Verändert hast du dich: Du entscheidest aus der Erfahrung, dass es bei dir funktioniert, und nicht mehr aus der Hoffnung, dass es funktionieren könnte.
Das ist die Reihenfolge, nach der ich bei imprUvement arbeite: Werden → Machen → Haben. Ein kleiner, abgeschlossener Schritt liefert dir einen Beleg, und auf Belege baust du, nicht auf Absichten.
Wenn du diese Reihenfolge an dir selbst durchgehen willst, ist die Challenge der Einstieg: vier Tage, kostenlos, kein Verkauf währenddessen. Du startest auf impruvement.com/challenge.
Häufige Fragen
Den eindeutigsten: wiederkehrend, klar abgrenzbar, mit einem Auslöser und einem Ergebnis. Der wichtigste oder teuerste Ablauf kommt später an die Reihe.