Identität · Wer Du werden musst
Warum schiebe ich Aufgaben auf, die ich eigentlich gut kann
Von Redaktion··2 Min. Lesezeit
Warum bremst Dich ausgerechnet Dein Können?
Dein Können erzeugt eine Erwartung: Diese Arbeit muss bei Dir glatt laufen. Bei einer neuen Aufgabe erlaubst Du Dir Holpern. Bei einer vertrauten erlaubst Du es Dir nicht.
Nimm das Angebot, das Du seit Jahren schreibst. Du kennst jeden Baustein, und trotzdem steht es seit drei Tagen auf Deiner Liste. Der Grund ist der erste Absatz. Er kommt auch bei Dir nicht sofort. Die zehn Minuten Suchen passen nicht zu dem Bild, das Du von Dir hast. Also wartest Du auf den Moment, in dem es mühelos gehen wird.
Das ist kein Mangel. Zwischen Deinem Selbstbild und dem tatsächlichen Verlauf eines Anfangs klafft eine Lücke, mehr nicht. Merksatz: Auch Dein Können beginnt zäh.
Woran erkennst Du, ob es Prokrastination ist oder Müdigkeit?
Müdigkeit trifft alles, Prokrastination sucht sich etwas aus. Bist Du müde, schiebst Du die Kernarbeit genauso auf wie den Rückruf und die Ablage. Schiebst Du nur die vertraute Kernarbeit auf und erledigst daneben zügig E-Mails und Kleinkram, bist Du nicht erschöpft.
Ich prüfe das mit einer Strichliste. Notiere eine Woche lang jedes Mal, wenn Du eine Aufgabe verschiebst, was Du stattdessen tust. Steht fünfmal „E-Mails beantwortet“ neben einer Aufgabe, die Du sicher beherrschst, hast Du Dein Muster gefunden.
Ein tieferes Problem ist das selten. Es ist ein Muster, das Dein Selbstbild schützt. Wie so ein Bild das Aufschieben am Leben hält, beschreibe ich in Ich bin eben ein Aufschieber.
Wie fängst Du an, wenn Du Angst hast, Deinem eigenen Anspruch nicht zu genügen?
Du fängst mit einer Handlung an, die so klein ist, dass sie Dein Können gar nicht prüft. Sichtbar muss sie trotzdem sein, damit Du einen Beleg hast, dass die Aufgabe läuft.
Beim Angebot heißt das: Du öffnest die Datei, trägst den Kundennamen ein und schreibst die drei Positionen als Stichworte untereinander. Das dauert zehn Minuten, und Du formulierst dabei nichts. Dein Anspruch hat nichts zu bewerten, weil noch nichts fertig ist.
Du denkst jetzt: Das ist zu klein für jemanden, der das kann. Genau deshalb wirkt es. Den Anfang trägst Du nicht mit Deinem Ruf, sondern mit dem ersten Handgriff. Danach übernimmt das Können, das Du ohnehin hast.
Vielleicht willst Du dieses Muster dort entschärfen, wo es entsteht, und nicht nur bei einer einzelnen Aufgabe. Dann ist die Challenge Dein nächster Schritt. In vier Tagen arbeitest Du an der Person, für die ein zäher Anfang kein Urteil über ihr Können ist.
Häufige Fragen
Weil Du von leichter Arbeit erwartest, dass sie mühelos läuft. Die ersten zähen Minuten widersprechen dieser Erwartung, also verschiebst Du den Anfang.