Handlung · Handeln wie die Person, die Du wirst

Prokrastination bei privaten Erledigungen: Warum Arzttermin

Von Redaktion··2 Min. Lesezeit

Warum verliert Dein Arzttermin gegen alles, was jemand von Dir verlangt?

An jeder anderen Aufgabe hängt ein Mensch, der wartet. An Deinem Arzttermin hängt keiner. Der Kunde ruft zurück, Dein Team fragt nach, der Lieferant schickt eine Mahnung. Die Praxis schickt Dir nichts.

Ich nenne das eine stille Pflicht: eine Aufgabe, die Dir wichtig ist und die niemand bei Dir einfordert. Deine Woche ordnet sich danach, wer am lautesten ruft, und nicht danach, was am meisten zählt. In dieser Ordnung bekommt eine stille Pflicht keinen Platz, auch wenn Du sie noch so ernst nimmst.

Nimm die Überweisung zum Facharzt, die seit drei Monaten in Deiner Schublade liegt. Sie hat in diesen drei Monaten nie gegen einen anderen Termin verloren. Sie stand nie zur Wahl.

Fehlt Dir die Zeit, oder weichst Du der Aufgabe aus?

Du weichst aus, wenn Du in derselben Woche Zeit für Leichteres findest. Das ist der ehrlichste Test, den ich kenne. Er wirft Dir nichts vor, er zählt nur nach.

Schau auf Deinen letzten Sonntag. Hast Du dort zwanzig Minuten lang Mails sortiert, war Zeit für die Versicherungsunterlagen da. Du hast sie nur für etwas Angenehmeres verwendet.

Derselbe Mechanismus erklärt, warum Deine Steuererklärung bis kurz vor der Frist liegt. Die Frist ist das erste Gegenüber, das sie überhaupt bekommt. Erst wenn ein Datum etwas von Dir verlangt, kann sie sich gegen Deine übrigen Aufgaben behaupten.

Das ist kein Mangel an Disziplin. Es ist eine Lücke zwischen dem, was Dir wichtig ist, und dem, was Dein Kalender von Dir verlangt.

Wie überwindest Du Prokrastination bei Erledigungen, die nie dringend wirken?

Du gibst der Aufgabe ein Gegenüber: einen festen Zeitpunkt mit Uhrzeit und einen ersten Handgriff von zehn Minuten. Der Zeitpunkt übernimmt die Rolle des Menschen, der sonst nachfragen würde. Der Handgriff sorgt dafür, dass Du in diesem Moment weißt, was Du tust.

Ein fester Tag allein reicht Dir nicht. „Samstag Steuern" schiebst Du auf Sonntag, weil der Eintrag Dir nicht sagt, womit Du anfängst. „Steuererklärung machen" beschreibt ein Ergebnis und keine Handlung. Warum Dich genau das bremst, steht in Prokrastination bei unklaren Aufgaben.

So sieht das konkret aus: Dienstag, 7:30 Uhr, öffnest Du die Website der Praxis und buchst den ersten freien Termin. Donnerstag, 19 Uhr, suchst Du die Lohnsteuerbescheinigung heraus und legst sie in einen Ordner. Beides dauert keine zehn Minuten. Beides steht in Deinem Kalender wie ein Kundentermin.

Nach zehn Minuten darfst Du aufhören. Den Einstieg hast Du dann hinter Dir, und genau an ihm hing die ganze Last. Ein Termin, den Du Dir selbst setzt, wiegt so viel wie einer, den ein anderer verlangt, sobald er eine Uhrzeit hat.

Nimm Dir heute eine stille Pflicht vor, die Dir seit Wochen im Hinterkopf mitläuft. Trag einen Zeitpunkt mit Uhrzeit ein und schreib den ersten Handgriff daneben. Wenn Du in vier Tagen ausprobieren willst, wie aus solchen Einträgen eine feste Art zu handeln wird:

Die kostenlose Vier-Tage-Challenge ausprobieren

Häufige Fragen

Weil ihn niemand von Dir einfordert. Alles, worauf ein Mensch wartet, setzt sich in Deinem Tag zuerst durch.

Alle Artikel der Säule Handlung · zurück zum Blog

Auch als Markdown verfügbar.